Prinzip · Transformation
Nicht jede Arbeit erzeugt gleich viel Wirkung.
Das Pareto-Prinzip als Heuristik, und was daraus für Fokus und für AI folgt.
Fokus heißt nicht, weniger zu tun. Fokus heißt zu wissen, welcher Teil der Arbeit die Wirkung trägt.
Was das Prinzip sagt und was nicht
Nicht jede Arbeit erzeugt gleich viel Wirkung. Das ist die Beobachtung, um die es geht, und sie hält jeder Prüfung stand.
Das Pareto-Prinzip, benannt nach Vilfredo Pareto, lenkt den Blick auf diese ungleiche Verteilung. Die bekannte Formel 80/20 ist dabei eine Heuristik, keine Naturkonstante. In manchen Bereichen liegt die Verteilung bei 70/30, in anderen bei 95/5.
Wer 80/20 als Gesetz behandelt, kann sich Ergebnisse zurechtrechnen. Die Zahl ist eine Merkhilfe für eine Frage, nicht die Antwort darauf.
Die eigentliche Frage
Die übliche Reaktion auf zu viel Arbeit lautet: Wie werde ich schneller? Die nützlichere lautet anders.
- Welche wenigen Aktivitäten erzeugen einen überproportionalen Teil meiner Wirkung?
- Welche existieren vor allem deshalb, weil sie immer schon existiert haben?
Als Denkbild benutze ich dafür zwei ungleiche Blöcke: ein kleiner Teil mit hohem Wert, ein großer Teil aus Gewohnheit. Das ist eine Lesart, keine Messung eines konkreten Unternehmens.
Die zweite Frage ist die unbequeme. Sie benennt Arbeit, an der Menschen hängen, manchmal seit Jahren. Deshalb wird sie selten gestellt, und stattdessen wird optimiert.
Warum Fokus nicht heißt, weniger zu tun
Fokus wird oft als Verzicht verkauft. Das trifft es nicht. Fokus heißt, das Wertvolle vom Gewohnten zu unterscheiden, und diese Unterscheidung muss jemand treffen.
Wer nur die Menge reduziert, ohne zu wissen welche, kürzt mit gleicher Wahrscheinlichkeit an der falschen Stelle. Das Ergebnis ist weniger Arbeit bei gleicher Unklarheit.
Die Verbindung zu AI
In AI-Projekten begegnet mir dieselbe Reihenfolge verkehrt herum. Die erste Frage lautet meist, was sich automatisieren lässt. Die bessere lautet, was überhaupt Wert erzeugt.
Automatisierung verstärkt, was sie vorfindet. Wird der gewohnte Teil automatisiert, wird die gewohnte Arbeit schneller, nicht die wertvolle. Der Betrieb wirkt danach moderner und hat dasselbe Ergebnis.
Deshalb steht die Auswahl vor der Technik. Erst verstehen, was trägt, dann verstärken.
Was daraus folgt
Eine Woche lang mitschreiben, was tatsächlich getan wurde. Nicht planen, mitschreiben.
Danach jede Zeile markieren, die jemand außerhalb des Hauses gemerkt hätte. Was übrig bleibt, ist der Kandidat für Verstärkung. Der Rest ist der Kandidat für die unbequeme Frage.
